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Freistil – KW 43

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Kommentar zur vergangenen Woche – KW43 – 30. Oktober 2022

Kroatien
Herzerwärmende Entwicklung – wenn man niemanden versteht. Unlängst war ich in meinem Schreibdomizil, der kroatischen Hafenstadt Rijeka, was soll ich Ihnen sagen: Es ist anders. Und dieses Anders ist aktuell freundlicher, heimischer, einladender – sogar entspannter für meine Seele und meine Brieftasche. Womit hängt dieses Ungleichverhältnis zusammen? Vermutlich damit, dass ich niemanden verstehe und damit geschützt bin vor peinlichen ORF-Interviews, als Information getarnte Presseinserate und medialer Agendapropaganda. Der Blick aufs Meer bei einem Branzino auf Rucola kann mehr – und mich alle anderen. Dobro.

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Guthaben ist gut zu haben …
Dass die Inflation den höchsten Stand seit Jahren erreicht hat, kann niemand mehr hören. Dass die Kreditzinsen im Wochenrhythmus angehoben werden, ist Christine Lagarde ein besonderes Anliegen, wie sie betont – kein Ende in Sicht. Eben hat sich die EZB zu weiteren 0,75 Prozentpunkten Zinsanhebung durchgerungen. Die Banken folgen in Rekordgeschwindigkeit, Hiobsbotschaften mit Zinserhöhungen flattern wöchentlich ins Österreicherhaus wie das tägliche gelbe Kuvert der Post. Bei den Guthaben- oder Sparzinsen ein völlig anderes Bild. Keine Veränderungen oder Zinsanpassungen auf der Guhabenseite. Ein glatter Fünfer für die heimische Bankenszene. Durchgefallen. Setzen.

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Die „Europa“ in Schieflage
Heute vergleichen wir die europäischen Mitgliedsstaaten mal mit einem riesengroßen Schiff. Sie wissen, wie das ist mit den Wellen? Langsam werden sie stärker, schaukeln sich auf und das Schiff wird zum Spielball der schaurigen Wogen. Das Schiff hängt schräg im Wind. Rezession. 11 % Inflation, Zinserhöhungen Monat für Monat, die Banken ziehen mit. Kredite werden teurer. Haus- und Wohnbau gehen zurück. Güter des täglichen Lebens, darunter Treibstoffe, Strom und Gas werden unerschwinglich. Konsum stagniert und wird eingefroren, Unternehmen sperren zu. Und wie reagiert der Staat darauf? Gar nicht. Ich mache momentan jedenfalls keine Schiffsreise.

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Wie ich mich liebe
Politische Repräsentanz in Österreich, man muss es einfach sagen, ist kein Vorbild. Weder für junge Menschen noch für unsereins. Sei es die Unschlüssigkeit bei der Inflationsbekämpfung oder der Umgang untereinander. Schmid, Sobotka und Konsorten – Hut ab … die könnens. Die Frage ist, was wir daraus mitnehmen? Am ehesten – NICHT MITZUTUN bei dieser Form der gegenseitigen Bereicherung und Diskreditierung. Mir werden täglich Kloaken in zig Schmutzkübeln vor die Füße geschüttet – meine Empfehlung an Sie – entweder Gummistiefel anziehen – oder einfach drübersteigen. In dieser Sache zitiere ich gerne unseren Bundespräsidenten. Na servas: „So sind wir einfach nicht …“ Und ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Satz auf den überwiegenden Teil der Österreicherinnen und Österreicher zutrifft.

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Das Positive zum Schluss
Manchmal hängt mir dieses Facebook zum Hals raus. Wissen Sie warum? Weil ich den Verdacht nicht loswerde, dass es nur aus Volltrotteln besteht. Egal welchen Geschlechts. Menschen, die sich berufen fühlen, ihre hirnlosen Gedanken und Hassbotschaften bei und an anderen abzulassen. Soziale Medien – die Bezeichnung ist hier mehr als irreführend – sie sind nicht sozial – oder besser wir haben sie asozial werden lassen, spielen hier eine Musterrolle. Halt gibt mir in diesen Tagen das Wissen um wunderbare Menschen, aus Fleisch und Blut, die ich kenne – und die mir ans Herz gewachsen sind. Sie sind meine Hoffnung für die Zukunft. Es gibt sie. Seien Sie versichert

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Lauschangriff der Woche

„Wast du, wos a MENSCHIN is?“

„A weiblicha Mensch?!“

„Wast du, wos a GÄSTIN is?“

„A weiblicha Gost?!“

„Wast du wos GELDIN is?“

„Weibliches Geld?!“

[Lange Pause]

„De Wölt steht neama long – oder hast es jetzt: De WÖLTIN?“

Zwei Frauen beim Kaffee …

Über den Autor

Gerald Eschenauer

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Gerald Eschenauer

Schriftsteller. Philosoph. Schauspieler. Kulturvermittler, der zwischen den Welten wandelt.

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