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Freistil – KW 39

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Kommentar zur vergangenen Woche – KW39 – 02. Oktober 2022

Und die hat den und der hat die …
… und die Sparkasse hat GEORGE. Und die Stadt Villach hat KAERSTIN …  Und die A1 Telekom hat KARA. Und Apple hat SIRI. Und Amazon hat ALEXA und die ÖBB haben SCOTTY und die Wien Energie hat BotTINA [hat ihr nicht geholfen]. Und alle sind sie – zum Kotzen.

Hinter all diesen Namen steht der kurzgeistige Versuch, Unpersönliches persönlich werden zu lassen. Mit Menschennamen besetzte maschinelle Identität. Mit einem Service-Charakter, dass es die Sau graust. Skurril nicht? Die beste aller Welten, der persönliche Kontakt zueinander wurde kurzerhand abgeschafft und digitale Welten aufgemacht – als Fortschritt verkauft. Niemand den ich kenne ist darüber glücklich. Menschenleere Hotlines, Endloswarteschleifen, außer Betrieb gesetzte Ticketautomaten. Die Wegweisung von menschlicher Dienstleistung zugunsten Autoservice-Systemen ist – um es klar auszudrücken – ein Rückschritt. Nicht nur, dass sie nicht funktionieren, sie verärgern Kunden und Partner. „Ich werde mich beschweren.“ Schon hänge ich in der Warteschleife … „Danke, dass Sie unseren prämierten Dienst außerhalb der …“

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Der Mensch ist nicht genug
Informelle Frau?! Verstehe nicht!? Dieser Tage meldet sich ein/e New Yorker/in im Thrash Gothic Style [ich möchte nicht mit ihm/ihr liiert sein] zu Wort – und wagt das Experiment von seiner/ihrer Existenz – m/w unklar, die er/sie täglich vorgibt zu sein, hin zu einem mädchenhaften Barbie-Verschnitt. Und alle, seine/ihre Geschwisterteile sind nach der Wandlung schockiert. Ich frage mich, was den Schock in mir auslöst? Handelt es sich um den Umstand, dass diese Nachricht den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, also öffentlich relevant zu sein scheint? Ist es der Eindruck, dass hier erst die Verkehrung des Alltäglichen zu öffentlicher Wahrnehmungsbereitschaft und  Sensationsgelüsten führt? Worin besteht die Begründung als lebender Tod sein Dasein zu fristen? Ich finde bis heute keine Erklärung für eine derartige Entwicklung. Verdient man heute so sein Geld? Helfen Sie mir – ich verstehe es nicht mehr …

Quelle: https://gesellschaft.uberalles.live/23428-das-bin-nicht-ich-informelle-frau-erkannte-sich-nach-der-arbeit-der-stylisten-nicht-mehr-im-spiegel

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Das Licht geht aus – auch wenn es an ist …
Die Wiener Linien sparen Licht. Der Kurier berichtete. Kunstwerke in U-Bahn-Stationen werden künftig nicht mehr beleuchtet. Weg mit dem Dreck. Generell. Jene, die Licht haben – das warme, gelbe, das wohltuende – tauschen es aus gegen Blaulicht-LEDs mit katastrophalem Nebeneffekt. Wir altern schneller, schlafen schlechter und reduzieren die Biodiversität [siehe ORF]. Einen Vorteil hat die Sache mit den Wiener Linien. Die aus der Pension zurückgeholten U-Bahn, S-Bahn, Bus- und sonstigen Schaffner [auch hier herrscht akuter Personalmangel, verflixt, wo sind die alle hin?] zeigen erste Alzheimertendenzen. Morgen haben sie vergessen, dass Kultur auch in den U-Bahnstationen anzutreffen war. Allerdings auch, wohin sie fahren …

Der Trafo meiner Halogenstehlampe im Wohnzimmer hat seinen Geist aufgegeben. Hinweg, in den Sondermüll, inklusive aller noch verfügbaren Leuchtkörper, denn Reparatur ist unmöglich, nichts Vergleichbares auf dem Markt zu finden. Zu kaufen gibt es stattdessen LED-Panel-Lampen, die bei Ausfall einzelner LED´s  als Ganzes unwiderruflich in die Tonne müssen. So geht „Energiesparen“ auf EU-Ebene. Erbärmlich, was in jüngster Zeit von der Europäischen Union kommt.

Quelle: https://science.orf.at/stories/3215090/

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Statement zur Lage
Ich bin ein Gegner des Krieges. Jedes Krieges. Ich bin ein Gegner des Beitritts der Ukraine zur NATO. Ich bin ein Gegner von Atomkraftwerken und ihrer fröhlichen Wiedereröffnung. Ich bin ein Gegner von europäischen Waffenlieferungen an die Ukraine. Ich bin ein Gegner der einseitigen proamerikanischen und NATO-affinen Berichterstattung. Ich bin ein Gegner von moralisierender intoleranter Identitätspolitik – Stichwort Cancel Culture und Woke Culture. Ich bin ein Gegner der Bargeldabschaffung und der Impfpflicht. Ich bin für Diskurs, Dialog und Gespräch und gegen bedingungsloses Verbot. Ich bin ein Befürworter ALLER FRIEDENSVERHANDLUNGEN und FRIEDENSBEMÜHUNGEN. Nichts anderes gilt es voranzutreiben.

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Am Nachbartisch …
„Es gibt sogar Paare, de ziehen sich an Porno rein! Stöll da dos vua. Was am Onfong guat is und sich zan Schluss  negativ entwickelt, is teiflisch. Bei Gott ist es umgekehrt. Es fongt schlimm on und endet guat. Man heart imma nur Männer und Porno. Bei Frauen heast nix. Imma nuar da Mann. De Sucht is teiflisch – bis zu Rückenmarksschädigungan. Den Fernseha wear i auf jedn Foll obschoffn.“

Während mein dieswöchiger FREISTIL-Kommentar im Kaffeehaus entsteht, wird missioniert. Ein Mann um die 50 redet am Nebentisch auf einen 30-Jährigen ein. Handfeste Argumente. Na Gott sei Dank. Einige Dinge im Leben ändern sich nie …

Über den Autor

Gerald Eschenauer

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Gerald Eschenauer

Schriftsteller. Philosoph. Schauspieler. Kulturvermittler, der zwischen den Welten wandelt.

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