FREISTIL – KW 49

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Kommentar zur vergangenen Woche – KW49 – 11. Dezember 2022

Wien – meinkaufstadt
Als ich zwischen BUCH WIEN-Besuch, einem Kärntna Abend und Asia-Restaurant so durch die Stadt chauffiert wurde, fiel mir eine Plakatserie besonders auf: „meinkaufstadt [sic!] wien“ Meiner Seel habe ich mir gedacht, sind wir wirklich schon so weit gekommen? Früher war Wien die Stadt der Kultur, Musik und Architektur und jetzt wirbt man mit „meinkaufstadt wien“. Erinnern Sie mich daran, dass ich die Agentur, die das verbrochen hat sofort entlasse – wäre da nicht der Auftraggeber. Wer ist das eigentlich? Na googeln Sie selbst …

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Kärntn is lei ans … und verlustig
Während es aus allen Gazetten blinzelt und über Facebook und alle anderen SM-Kanäle – nein, nicht Sadomaso-, sondern Social Media-Kanäle frohlockt „HURRA HURRA – das KINDERSTIPENDIUM ist da!“ [Kostenpunkt 240.000 Euro für die Bewerbung, nicht für den Inhalt] sind gleichzeitig die Kärntner Spitäler ganz schön – salopp formuliert – marod. Fünf Krankenhäuser produzieren 2023 einen Nettoabgang – also Schulden von 328,6 Millionen Euro. Pfiat di Gott, liabe Alm – kein Schmutz.

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Einmal was Gutes …
Ehrlich, das kann ja keiner mehr hören. Dieses ganze Gedudel von Inflation, hohen Spritpreisen und Klimakatastrophe! Also begebe ich mich auf Spurensuche, was an (m)einem Leben ist noch gut, so kurz vor Weihnachten, der Zeit der Nächstenliebe. Und ja, es gibt Gutes. Ich zähle es Ihnen auf. Da wäre mal der Laubbläser des Magistrats Villach, der erst um 5 Uhr 30 vor meiner Wohnung mitten in der Stadt sein Unwesen treibt. Sisyphus-Blasen. Er könnte ja theoretisch bereits um Mitternacht oder gegen drei Uhr früh blasen. Aber nein. Das ist positiv. Oder die mittlerweile unbeleuchteten Straßen und Gassen in Klagenfurt. Das spart Strom und senkt die Stadtausgaben. Gibt Frauen in Zeiten der Übergriffe ein wirklich gutes Gefühl. Und wer keinen zum Reden hat: Dieser Tage ist der achtmilliardste Mensch am Erdball gelandet. Endlich jemand da zum Spielen und zum Reden. Und wir haben ein Traditionsradio – zumindest wirbt damit Hitradio Ö3. Das Original aus 1968. Der Radiosender hat etwa soviel von seinem Ursprung wie die Milka Schokolade oder Coca Cola im Jahr 2022. „A Gschleapa“ – hätte mein Vater gesagt …

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 Lauschangriff der Woche

… fällt diesmal aus. Niemand im Kaffeehaus, außer mir. Das Geld ist knapp.

Über den Autor

Gerald Eschenauer
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Gerald Eschenauer

Schriftsteller. Philosoph. Schauspieler. Kulturvermittler, der zwischen den Welten wandelt.

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